16 Juni 2016

Book | Jojo Moyes - Ein ganzes halbes Jahr


Ich weiß nicht, auf welches Thema Jojo Moyes hauptsächlich aufmerksam machen möchte. Behinderung? Die Arbeit von Pflegehilfen? Die Empfindung von Eltern, deren erwachsenes Kind plötzlich zum Pflegefall wird? Oder auch die Kluft zwischen arm und reich?


Von dem Roman "Ein ganzes halbes Jahr" habe ich schon vor Jahren gehört. Irgendwie trieb es mich nie dazu, es auch zu lesen. Neulich nahm ich das Buch in einer Buchhandlung wieder in die Hand und las den Klappentext. Und dann war mir klar, dass ich es lesen muss!


Die Erstauflage erschien im Jahr 2013 ebenfalls im rowohlt Verlag. Mir liegt eine Neuauflagevor, da es sich um die Filmversion handelt. Ich geh stark davon aus, dass sich inhaltlich nichts unterscheidet, sondern nur die Aufmacheung/das Cover. Preislich liegt der Roman bei 9,99 Euro und bietet ganze 520 Seiten Emotionen.
Zu erwähnen ist, dass in meiner Film-Version Bilder von den Dreharbeiten und dem Film enthalten sind. Ebenfalls folgt im Anhang eine Leseprobe von "Ein ganz neues Leben", Diskussionsfragen und ein Interview mit Autorin Jojo Moyes.
Durch die sehr hohe Seitenanzahl und das relativ kleine DIN-Format hat der Leser einiges in der Hand. Es kann unangenehm und anstrengend für die Finger werden, doch das tut der Story absolut keinen Abbruch.


Inhalt:
Arm und Reich. Schon oft diskutiert und erzählt. Behindert oder nicht. Ein sensibles Thema, welchem sich Jojo Moyes annahm. "Ein ganzes halbes Jahr" beinhaltet beide Thematiken. Lieber reicht, dafür behindert? Oder anders herum?
Louisa ist 26 und verliert ihren Job in einer Caféteria. Sie hat einen Partner, Patrick, eine Familie und genug Rückhalt um sich nicht von den Umständen unterkriegen zu lassen. Die Familie hat kaum Geld, eine neue Arbeitsstelle muss her. Ihr neuer Job scheint eine riesen Aufgabe zu werden. Die Pflege eines Tetraplegikers, welcher genauso wenig in dieser Situation sein möchte, wie Lou.
Will macht es ihr nicht leicht, doch es entsteht Liebe. Liebe, in Lous Wissen, dass sie Will vom Leben überzeugen muss. Vom Leben in einem Rollstuhl. Querschnittsgelehmt. All die Infektionen, schweren Tage sollen nicht so schwer wiegen, wie die Liebe groß ist.
Will gab sich noch 6 Monate bis er seinem Leben in der Schweiz ein Ende setzen möchte. Vom erfolgreichen Geschäftsmann, zum Pflegefall. Lou wusste nicht, dass sie eingestellt wurde, um Will umzustimmen. 2 Monate arbeitete sie im falschen Glauben. Doch die Wahrheit zu erfahren, brachte sie nicht dazu aufzugeben. Sie begann zu kämpfen. Und das mit allen Mitteln.
Die Entwicklung von Lou ist nicht zu übersehen. Dank Will beginnt sie, sich zu verwirklichen, sich ihr eigenes Leben aufzubauen. Das zu tun, was sie schon immer hätte tun sollen. Denn das Leben kann sich so schnell ändern. Lou trennt sich von Patrick. Doch es ist nicht mehr genug Zeit, Will davon zu überzeugen, dass er Lou glücklich macht und sie ihn ebenfalls glücklich machen kann.
Kein Besuch eines Pferderennens, keine 10 Tage auf Mauritius schaffen es. In der Schwez sehen sie sich ein letztes Mal. Die Erinnerungen an Will leben weiter.


Aufbau:
Wie 90% aller Bücher die ich gelesen habe, ist der Roman in Kapitel unterteilt. Es gibt keinen direkten Titel, jedoch wird angegeben, wenn ein anderer Protagonist als Louisa spricht. Und es wird im wahrsten Sinne des Wortes mit dem Leser gesprochen. Es gibt direkte Ansprachen, es gibt Erklärungsversuche. Ebenso finde ich es richtig, alle Charaktere welche ein eigenes Kapitel in dem Roman füllen, als Protagonisten zu bezeichnen. Es geht nicht nur um Lou und Will. Es geht auch um Nathan, Katrina, Louisas Eltern und auch Mutter und Vater von Will. Es geht um ihre Erlebnisse und um ihre Empfindungen.
Der Hauptteil der Geschichte wird aus Lous Sicht erzählt, wobei die Kapitel durchschnittlich 20 Seiten stark sind, was ein angenehmes Lesen und Pausieren ermöglicht.
Ebenso gibt es einen Prolog, welcher von einem neutralen Erzähler vorgetragen wird. Es geht um Will und den Unfall. Den alles verändernden Unfall. Dennoch kann es den Leser anfangs verwirren, da Kapitel 1 plötzlich aus einer anderen Sicht und an einem anderen Ort zu einer anderen Zeit spielt. Es dauerte einen Moment, bis ich den Übergang geschafft hatte. Dann lies sich das Werk wunderbar einfach und schnell.

Es gibt einige zusätzliche Seiten in dem Buch. Nach dem eigentlichen Roman folgt die oben angesprochene Leseprobe. Die ebenfalls angehangenen Diskussionsfragen sind super, da nochmal eigenständig über alle Situationen nachgedacht werden kann. Es werden dem Leser die Entscheidungen der Protagonisten im Roman vorgegeben, doch wie würde ich mich in einer solchen Situation verhalten?


Design:
Da vor mir die Kinofilm-Auflage liegt, sind auf dem Cover die zwei Hauptcharaktere des Romanes abgebildet. Meiner Meinung nach, wird dem Leser so ein wenig die Fantasie genommen, wie Lou und Will aussehen. Andererseits gibt es dann beim Film keine bösen Überraschungen, da die eigene Vorstellung ganz anders war, als die ausgewählten Schauspieler. Da die beiden Charaktere jedoch nicht so ausschweifend beschrieben werden, finde ich, dass passende Schaupieler gefunden wurden. Denn mit den Details die beschrieben wurden, stimmt es definitiv überein.
Die kurze Inhaltsangabe auf der Buchrückseite gibt nur einen ganz groben, minimalen Einblick in die Geschichte. Es bleibt letztlich fast jede Wendung und Überraschung verborgen und erwartet den Leser erst im richtigen Text. Die Komplexität der Geschichte wird so nicht sofort deutlich, wenn nur der Text auf der Buchrückseite gelesen wird. Schade, denn es wird potentielle Leser geben, die nicht nach dem Buch greifen. Es gibt keine klare Aussage, um welches Thema es sich genau handelt.
In meinem Bücherregal stellt diese Buchausgabe ebenfalls ein Unikum dar, denn der Buchrücken ist nicht vertikal, sondern horizontal beschriftet. Es mag nur ein kleines Detail sein, aber es fällt auf.


Buchempfehlung?
Ja! Fans von emotionalen Romanen, nah an der Realität, werden diese Geschichte verschlingen. Es handelt sich um ein gut recherchiertes und bewusstmachendes Buch. Aufmerksam machend auf Behinderungen und Angst. Das Thema Sterbehilfe wird angeschnitten. Der emotionale Weg der Entscheidungsfindung eines Betroffenen und Ohnmacht aller Angehörigen wird ausführlich beschrieben. Es handelt sich nich zu unrecht um einen Bestseller. Eine so traurige, schöne Liebesgeschichte!

Wenn du dir den Film "Ein ganzes halbes Jahr" anschauen möchtest, dann kannst du dies ab dem 23. Juni 2016 in einem Kino in deiner Nähe machen. Zur Entscheidungsfindung hier gleich einmal der Trailer zum Film:


Ich danke dem rowohlt Verlag vielmals für die sehr angenehme Kooperation und für das kostenlose zur Verfügung stellen des Romanes.

T.

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