06 Juni 2016

Random | Mein Leben als Übriggebliebene


Heut ist wieder Zeit für einen kleinen Seelenstriptease! Der Beitrag wird wahrscheinlich ein wenig länger. Verurteil mich nicht..


Die letzten Monate habe ich mein komplettes Leben in verschiedenen Hinsichten Revue passieren lassen. Es flossen viele Tränen, ich kam zu Erkenntnissen und habe gemerkt, in welchen Situationen ich mich falsch verhielt. Selbstreflexion kann mich in Zukunft doch nur weiterbringen.

Ich habe gerade mein Studium beendet und weiß das erste Mal in meinem Leben nicht genau wie es weitergehen soll. Bisher klappte immer alles (wenn auch mit Umwegen) gut und es gab nie eine gefürchtete Lücke im Lebenslauf.
Ich ging in den Kindergarten, in die Grundschule, auf das Gymnasium, machte ein FSJ, begann zu studieren. Und jetzt? Alles geschah pausenlos. Nun sitz ich hier.

Ich will nach Dresden! Ich will weg aus der Heimatstadt. Hier sind viele Dinge passiert, die mich nicht aufhalten wegzuziehen. Auch wenn ich in Dresden negative Erfahrungen sammeln werde und mein ungetrübtes Bild von der Landeshauptstadt verändern wird. Meine Familie und meine eins/zwei Freundinnen wären der einzige Grund hier in meiner Geburts- und Heimatstadt zu bleiben. Aber das reicht mir nicht. Ich brauch eine größere Stadt, ich brauch wahrscheinlich die Anonymität, obwohl ich ebenso Angst vor ihr habe.

Ich habe Angst davor, allein zu sein. Allein zu enden.

Ich bin für die meisten Menschen einfach nur eine Bekannte. Keine Freundin. Um eine Bekannte sorgt man sich nicht, für eine Bekannte interessiert man sich nicht. Dieses Gefühl, für kaum jemanden auf der Welt von Interesse zu sein, macht mich traurig. Macht mir Angst. Warum? Warum bin ich für so gut wie niemanden eine Freundin? Mittlerweile fehlt mir sogar das Selbstbewusstsein dafür, zu sagen, dass ich Freunde habe. Mir fehlt der Mut, neue Leute kennenzulernen. Und zwar so kennenzulernen, dass ich irgendwann vertrauen kann. Und weiß, dass es ein Freund ist, der es auch bleiben wird.

Schon in der Schule saß ich meistens allein. Das Thema 'Du-bist-meine-aller-aller-beste-Freundin-für-den-Rest-meines-Lebens' habe ich auch mitgenommen. Klar. Sie war aber keine Freundin. Je nach Lust und Laune tauschte sie mich aus. Dann war ich wieder gut genug und wieder die allerbeste Freundin überhaupt. Bis es wieder eine bessere gab. Ich war 13 oder 14. Ich fand das okay. Ich habe zu Hause geweint, jedes Mal, wenn ich ersetzt wurde. Aber dann war ich wieder gut genug. Und ich hab mich gefreut. Letztlich wechselte ich meinen Sitzplatz mal neben sie, und dann saß ich wieder allein.
Irgendwann wechselte sie die Schule und ich verlor meine 'Freundin'. Dann saß ich allein. Immer. Ich verstand mich mit allen aus meiner Klasse super. Ich hatte mit niemandem Probleme oder Streit. Ich konnte mich mit jedem unterhalten. Smalltalk. Für mehr reichte die Bekanntschaft nicht. Selbst für Gruppenarbeiten war ich nicht cool genug. Im Sportunterricht war ich die, die als letzte gewählt wurde. Beim Abiball wollte niemand mit mir den Abituriententanz tanzen, da ich für niemanden eine Freundin war. Nur eine Klassenkameradin.

Ich weiß nicht, warum ich keine Freundin bin. Mir fehlt das Gen?!
Ich habe nie verstanden, was ich falsch mache. Weiß es bis heute nicht. Und niemand versteht, wie ich mich nach einer guten Freundschaft sehne.

Alle anderen haben ihren festen Freundeskreis und brauchen mich einfach nicht. Ich gehör nirgends dazu, bin ein Außenseiter. Aber warum?

Bin ich mit anderen Mädels unterwegs und man trifft einen Bekannten, werden die anderen begrüßt. Ich nicht. Und ich schwör, das es nicht ausgedacht ist. Es ist auch den anderen Mädels aufgefallen, dass ich nicht beachtet wurde. Dabei war er auch für mich ein Bekannter. Mich kann man auch nicht übersehen. Ich mag zwar recht klein sein, trage aber keine Kleidergröße 34, sodass ich einfach nicht auffall. Ich trage auch keine 38/40. Ich trage mehr. Dennoch bin ich unsichtbar für so viele Menschen.

Ich glaube, ich bin dankbarer als jeder andere Mensch, wenn ich bei Snapchat oder Instagram mit lieben Mädels in Kontakt treten kann. Ich weiß, dass es keine Freundinnen werden können, da man sich wohl nie kennenleren wird. In echt. Bei einem gemeinsamen Treffen.
Aber das Internet gibt mir die Illusion, für andere nicht unsichtbar zu sein. Ich und meine Bilder, wir werden gesehen. Ich suche nach Anerkennung. Nach Lob. Total doof, aber so ist es.


Und dann ist da trotzdem mein riesiger Wunsch, nach Dresden zu gehen. Weg von all den Menschen, die mich wirklich mögen. Ich glaube es zumindest. Weg von meiner Familie, weg von meinen ganz, ganz wenigen Freunden. Ausschließlich Freundinnen.

Aber ich habe Angst, dort komplett allein zu bleiben. Ich seh mich in Träumen ab und an in Dresden. Allein. In meiner eigenen Wohnung. Allein. Bei IKEA. Allein. Shoppen. Allein. Am Wochenende. Allein. Im Fitnessstudio. Allein.

Ich bin so unselbstbewusst. Wie lern ich neue Leute kennen? Ich geh nicht mehr zur Uni, wo man irgendwie Anschluss findet und ein paar Leute kennenlernt, mit denen man die Vorlesungen übersteht. Es gibt Single- und Partnerbörsen. Im Internet. Aber gibt es das denn auch für unverbindliche Kontakte? Eine Freundschaftsbörse? Sicherlich kann ich mich nicht mit allein Menschen anfreunden, die ich eventuell in Dresden kennenlernen würde, aber ich möchte doch nur eins/zwei wahre Freundschaften finden. Menschen, denen ich meine Sorgen mitteilen kann. Leute, die da sind, wenn ich sie brauch.

So viele Menschen geben mir nicht die Chance, mich zu zeigen. Ich bin schüchtern. Ja. Beim Kennenlernen. Aber nur dann. Sobald ich vertrauen fass, bin ich der offenste Mensch überhaupt. Ich weiß, dass mir das meine wohl engste Freundin S. bestätigen kann.

Ich habe mich schlau gemacht wie es ist, im hohen Alter allein zu sein. Keine Familienangehörige, keine Freunde. Ich habe geschaut, wer sich denn dann um mich kümmert..
Ich weiß, wie ich ende. Als Katzenoma. Allein.

Es sei denn, mir kann jemand erklären, warum ich für niemanden eine Freundin bin. Nur, wenn ich das weiß, was an mir falsch ist, kann ich etwas daran ändern. Wenn ich etwas ändern will. Ich änder mich nicht für andere Menschen. Ich änder mich nur insoweit, wie ich es selbst akzeptieren kann. So, dass ich mir dennoch treu bleib und meine Familie mich noch immer als T. erkennt.

T.

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