30 Juli 2016

Book | Lodewijk van Oord - Das letzte Nashorn


Artenschutzprogramme, Zoos und Wilderei sind nicht nur in der Vergangenheit oft in Verruf geraten. Auch noch heut gibt es immer wieder Skandale, welche vor allem die Existenz von Zoos in Frage stellen. Dieser Roman beschäftigt sich auf eine Art und Weise, wie ich es noch nie gelesen habe, mit den Problemen eines Zoos, mit einer vom aussterben bedrohten Tierart und menschlichen Schicksalsschlägen.



Der Roman von Lodewijk van Oord erschien im Knaus Verlag und kostet UVP 19,99 Euro. "Das letzte Nashorn" liegt mir im festen Einband vor. Dieses Werk, welches am 21. März 2016 erschien, umfasst 253 Seiten und beschäftigt sich mit drei beziehungsweise vier verschiedenen Sichtweisen auf ein und dieselbe Situation des Amsterdamer Zoos.
Als Protagonisten des Werkes sind Edo Morell, Sariah Malan und Frank Rida zu nennen.


Inhalt:
"Vier Jahre zuvor" entwickelt Edo Morell, der Zoodirektor, einen Masterplan, wie er den Amsterdamer Zoo retten kann. Die Besucherzahlen und Einnahmen aus Merchandise sinken. Das Ziel, einen Themenpark zu entwickeln um Besucher einmal durch Afrika, in die Akrtis oder nach Indien zu schicken, stößt beim Vorstand auf viel Zuspruch. Die Finanzierung wird geklärt und Umbau, sowie Planung von neuen Tierarten beginnt.
Sariah Malan wird von Edo als neue Afrika-Managerin eingestellt. Die gebürtige Halb-Niederländerin arbeitet gemeinsam mit ihrem kranken Vater in Afrika; in einem Nationalpark. Sie kämpft gegen Wilderei, doch verliert dabei alles was sie hat. Ihr Mann, sowie ihr ungeborenes Kind kommen bei einer Schießerei ums Leben. Es gibt für sie nichts mehr was sie in Afrika hält. Auch ihr Vater schafft es nicht, sie von Amsterdam abzuhalten. Gemeinsam machen sich die beiden an die Arbeit, den Zoo so zu gestalten, dass auch Nashörner in ihrem Afrika leben können. Sariah, die Nashorn-Expertin, weiß, wie es um die Dickhäuter bestellt ist. Sorgen ihre zwei Damen, Ursula und Angela nicht bald für Nachwuchs, wird diese Rasse aussterben. Albrecht, ein Nashorn aus dem echten Afrika soll dabei behilflich sein.
"Zwei Jahre zuvor" wird Albrecht endlich eingeflogen. An den Beinen angebunden an einem Helikopter landet er schlafend in seinem neuen zu Hause. Die Afrikalandschaft wurde fertig gebaut und wartet nun sehnsüchtig auf Nachwuchs. Während sich die Nashörner langsam näher kommen sollen, passiert dies auch bei Edo und Sariah. Doch Frank Rida, ein Vorstand und enger Vertrauter von Edo, rät ihm davon ab. Sariah sei unverzichtbar für den Zoo und dies dürfe nicht aufs Spiel gesetzt werden. Die Zerwürfnisse zwischen den beiden haben zum Glück keine Auswirkung auf die Paarungsbereitschaft von Ursula. Albrecht ziert sich.
Als Sariahs Vater stirbt und sie zurück nach Afrika fliegt, wird auch Urusla, die Hoffnung des Amsterdamer Zoos, von Wilderern ermordet. Ihr Horn wurde als Trophäe mitgenommen.
Unter verstärkten Sicherheitsmaßnahmen paaren sich Albrecht und Angela eines nachts. Die Freude ist groß, dem Zoo wird es gut gehen.
Doch dann kommt alles anders. Angela verliert ihr Kind, ein Herpesvirus verbreitet sich rasend schnell und alle noch lebenden Nashörner sterben. Außer Albrecht.
Edo sieht seinen Zoo zu Grunde gehen. Einnahmen fallen wieder weg, die vielen Umbauten schluckten eine Menge Geld. Das Albrecht sterben und so eine ganze Art aussterben wird ist unumgehbar. Edo möchte nun eine riesen Show aus seinem Sterben machen.
In riesen Stadien möchte er Albrecht den Menschen präsentieren. Ein Tier präsentieren, was es bald nicht mehr geben wird. In ganz Europa sind Veranstaltungen geplant.
Doch schon während der ersten Show kommt alles anders als geplant. Sariah, die fristlos kündigte, als sie von Edos Plan erfuhr, sorgt dafür, dass Albrecht nicht vorgeführt wird. Sie unterbindet das erste große Spektakel und sorgt dafür, dass Albrecht ganz in Ruhe, in ihrer Nähe einschläft.
Edo sah kein einziges Nashorn mehr.
Die "Liebesgeschichte" zwischen Edo und Sariah kommt ebenso wenig zu kurz, wie auch die aufkommenden Gefühle von Frank Rida ihr gegenüber.


Aufbau:
Der vorliegende Roman ist in fünf Kapitel, mit jeweils durchschnittlich vier Unterkapiteln gegliedert. Die Überkapitel sind mit einer Überschrift und einer Zeitangabe, wie zum Beispiel "vor vier Jahren", versehen. Dem Leser bleibt offen, wo denn das "jetzt" stattfindet. Der Autor lies sich damit aber offen, dass jeder Leser das "jetzt" im tatsächlichen Jahr ansiedeln kann.
Die Länge der Kapitel ist recht gleich, mit wenigen Ausnahmen von sehr langen Kapiteln.

Sprache/Stil/Schlüssigkeit der Handlung:
Die Sprache hat für meine Verständnisse keine besondere Art und Weise. Auffällig ist, dass einige Passagen mit viel Witz und Raffinesse geschrieben sind. Ein kleines Schmunzeln huscht so ab und an auf die Lippen.
Dennoch ist auch feststellbar, dass geschichtlich super gut recherchiert (bspw. S. 85ff) und ebenso Kritik am "Zoo" geäußert wurde. Heißt, es ist nicht nur ein Roman, eine Geschichte zum abschalten, sondern auch offensichtliche oder teils versteckte Kritik an Orten wie Zoos.
Ein Perspektivenwechsel der nach jedem Kapitel stattfindet, führte anfangs ein wenig zu Verwirrungen, da immer in der ich-Perspektive geschrieben wird. Aus Nebensätzen oder zwischen den Zeilen war zu lesen, wessen Sichtweise niedergeschrieben wurde. Nachdem das Prinzip verstanden war, hatte ich keine Probleme mehr nachzuvollziehen, welcher Protagonist eben spricht.
Teilweise wurde das aktuelle Geschehen von mehreren Personen erzählt. Zwar in mehreren Kapiteln, aber die Dinge die passierten zeigten, dass noch einmal der selbe Moment beschrieben wurde.
Im Gegensatz zu anderen Romanen wurde hier auf ein offenes Ende verzichtet. Die Geschichte um das Nashorn Albrecht wird komplett zuende erzählt. Der Leser kann noch immer fantasieren und spekulieren, wie es mit Edo, dem Zoo oder auch Sariah weitergeht, doch sind diese Spekulationen weit über das inhaltliche Thema hinaus gehend.


Design:
Das Hardcoverbuch ist ohne Umschlag komplett in (creme-)weiß gehalten, mit einem kleinen Titel-Aufdruck matt dunkelrot auf dem Buchrücken.
Der Umschlag hingegen ist sehr schön designed. Nur drei Farbtöne verwendend, sieht das Cover sehr ansprechend aus. Der Titel des Romanes wird durch das abgebildete Nashorn super widergespiegelt. Weshalb das Nashorn verkehrt herum zu sehen und postalisch abgestempelt ist, wird dem Leser ebenfalls in dem Roman verdeutlicht. Eine kleine dargestellte Windmühle stellt sofort den Bezug zu den Niederlanden her.
Der Inhaltstext auf der Buchrückseite gibt einen groben Überblick über die Geschichte. Ich persönlich stellte mir die Geschichte dann jedoch lustiger vor, als sie eigentlich ist. Schwer Kost, leicht verpackt. So würde ich es beschreiben.
Die Klappentexte verraten einmal mehr über den Autor und geben ebenso einen detaillierteren Einblick in den Inhalt.

Buchempfehlung?
Ja. Fans von Romanen, wie auch Fans von gut recherchierten, teils sozialkritischen Werken kommen bei diesem Werk auf ihre Kosten. Durch die recht niedrige Seitenanzahl wird auch keine der beiden Seiten zu sehr auf die Probe gestellt, etwas lesen zu müssen, was weniger interessiert.
Das Leben von Zootieren - in Gefangenschaft - seh ich nach diesem Roman tatsächlich aus einer etwas anderen Perspektive. Philosophische Teile im Werk regen zum Nachdenken an. Einerseits über das Tier und andererseits über Menschen, welche über Tiere entscheiden.


Ein großer Dank geht an RandomHouse, für das zur Verfügung stellen des Romanes.

T.

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