18 September 2016

Random | Wenn man vermisst..



Wenn man vermisst, ist es ein ekelhaftes Gefühl. Eine Leere. Eine Dumpfheit. Eine Phase ohne scheinbare Besserung. Eine Phase ohne Ausweg. Anscheinend.


Jeder Mensch weiß wie es sich anfühlt, wenn man vermisst. Sei es das Handy, welches man nicht findet. Oder ein Freund, der sich entfremdet. Sei es die Bestätigung, die man vermisst. Oder das Gefühl, wenn man eine geliebte Person verliert.

Eine Person, die man so sehr vermisst, aber man sie nie wieder sehen kann. Weil sie nicht mehr da ist.

Ich vermiss keine Person. Ich vermiss Purzel. Unsere Katze.


15,5 Jahre hat sie mich begleitet. Hat mich glücklich gemacht. Hat mich sicherlich auch genervt hin und wieder. Aber es gab nie einen Tag, wo ich sie nicht sehen wollte. Kam sie einmal mehrere Stunden lang nicht nach Hause, hat man sich gesorgt. Blieb sie über Neujahr mehrere Tage verschwunden, hatte man Angst. Kamen Meldungen über überfahrene Katzen, wollte man es nicht wahrhaben.

Aber jetzt gibt es all diese Momente nicht mehr. Die Guten und die 'Schlechten'.

Keine Momente, wo man das Zimmer betritt und sie auf dem Bett wartet.


Keine Momente, wo sie liebend gern mit Gürteln spielt.

Keine Momente, wo sie heimlich, hinter der Tür den Teppich zerpflückt.

Keine Momente, in denen man ihr beim Schnarchen zuhören kann.

Keine Momente, in denen man ihr Wurst aus dem Kühlschrank gibt.


Keine Momente, in denen sie Mäuse von draußen mit in die Wohnung bringt.

Keine Momente, in denen sie sich auf meine Tatstaur setzt.

Keine Momente, wo sie Kater auf den Balkon lockt.


Keine Momente, wo sie kuschelbedürftig ist.


Keine Momente, in denen sie fotoscheu ist.

Keine Momente, in denen sie mit einem gebrochenen Bein nach Hause humpelt.

Keine Momente, in denen sie jedes Wort von mir zu verstehen scheint.

Keine Momente, wo sie einem halb auf den Schoß kriecht, wenn man etwas Essbares in der Hand hielt.

Keine Momente, wo der Respekt zwischen ihr und dem Hund meines Onkels so spürbar ist.

Keine Momente, in denen sie sich in meinen Kleiderschrank legt.


Keine Momente, in denen ich ihr mein Herz ausschütten kann. Wo jedes Geheimnis auch sicher ist.

Keine Momente, wo sie sich in leere Kartons setzt oder in leere Papiertüten kriecht.


Keine Momente, wo sie einem ins Ohr schnurrt.

Keine Momente, in denen sie miaut, um auf sich aufmerksam zu machen.

Keine Momente, wo sie einem einfach im Weg stehen bleibt.

Keine Momente, in denen sie einfach da ist. Ein seelischer Trost. Ein Pflaster für all die Wunden, die das Herz über die Jahre erleidet.


Keine Momente, in denen sie spürt, dass es Einem nicht gut geht. Und sie war da.

Mir war nie klar, wie schwer es wird, sie gehen zu lassen.
Sie war da, war man krank. Ich war gefühlt nicht da, als es ihr immer schlechter ging. Ich empfand ihre neuen Eigenheiten ab und an als störend. Hab sie nicht ernst genommen. Sie wurde schwächer und ich wollte es nicht sehen. War einfach nicht mehr die Purzel, die sie einmal war.


Und wenn einem das Leben immer mehr Steine in den Weg legt, vermisst man die Liebe, die einem ein Tier schenkt noch mehr. Wenn einfach alles schief geht. Liebe tröstet. Meine Liebe hat Purzel hoffentlich gespürt.

Ich hoffe ihr geht es jetzt besser, wo auch immer sie sein mag.
Ich werd an sie denken, sie immer in meinem Herzen behalten.
Der Schmerz ist groß, aber die Liebe ist größer.
Deshalb solltest du nicht leiden!

8. März 2001 - 16. September 2016


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