15 September 2016

Theater | Krieg, stell dir vor er wäre hier..


Ich stell es mir vor. Dabei habe ich keine Ahnung, wie sich jemand fühlt, dessen Heimat im Kriegsgebiet liegt. Wobei.. Das was hier in meiner Heimatstadt und meinem Wohnort passiert, fühlt sich an wie Krieg.

Eine plötzlich aufgerissene Klassenzimmertür. Genauso plötzlich, wie Bomben einschlagen. So plötzlich, wie Familien auseinander gerissen werden. So laut und unübersichtlich wie in zerbombten Städten. Mitten im Geschehen bin ich gelandet.

Ein Flüchtling, neu in einem Land. Ein Nichts. Stell dir vor, Krieg wäre hier. Hier bei mir und dir. Stell dir vor, du musst flüchten, um zu überleben. Stell dir vor, deine Heimatstadt liegt in Trümmern. Es ist Winter. Die Chancen zu überleben, ohne Wasser, ohne Wärme, ist gering. Einige Familienmitglieder hast du bereits bei einem Bombenangriff verloren. Allein haust du ab, nach Ägypten. In der Hoffnung, deine Familie irgendwann wiederzusehen. Zurück zu Hause. In deiner Heimat.

Doch was du auch tust - deine Heimat gibt es nicht mehr. Du hast keine Heimat mehr. Fremd in einer anderen Kultur. In einem Erstaufnahmelager. Gefangen in unfassbar willkürlicher Bürokratie. Ohne Kontakt zur Familie. Ohne Möglichkeit, dich in deiner Muttersprache zu verständigen. Wir sprechen kein arabisch. In dem fremden Land spricht jeder arabisch.

Nachrichten, dass Familienmitglieder, der kleine Bruder, misshandelt wurde. Den kleinen Bruder verloren. Gezeigt zu bekommen, dass du nichts Wert bist. Dir eine Unterkunft, ein Lager, mit denen zu teilen, die du für den Krieg in deiner Heimat verantwortlich machst. Die Wut, der Hass, der in dir kocht. Dein Schwur, dich irgendwann zu rächen.

Monate in Ungewissheit. In Duldung. Du schließt neue Freundschaften. Fängst an, die Sprache zu verstehen. Wartest nun auf die Gewährung von unbefristetem Asyl.

Du findest einen Weg in deinem neuen zu Hause zu bleiben. Doch eine Heimat hast du nicht mehr.

(Adaptiert von Janne Teller 'Krieg, stell dir vor er wäre hier'; Inszenierung am Deutsch-Sorbischen Volkstheater Bautzen; Regie: Ralph Hensel; Darsteller heute: Anthony Mrosek, Julia Klingner, Katja Reimann)

Auf der Homepage des Bautzner Theaters findest du eine detailierte Stückbeschreibung.

Krieg, stell dir vor er wäre hier..

Ich stell es mir vor. Dabei habe ich keine Ahnung, wie sich jemand fühlt, dessen Heimat im Kriegsgebiet liegt. Wobei.. Das was hier in meiner Heimatstadt und meinem Wohnort passiert, fühlt sich an wie Krieg.

Ein Krieg im Kleinen. Ein 'Rassenkampf'. Ein Kampf der Nationalitäten. Ein Kampf der Ideologien. Der Kulturen.
Nie im Leben würde ich mir anmaßen zu behaupten, es herrsche Krieg in Bautzen, so wie er in östlichen Staaten zerstört. Niemals! Krieg ist noch viel ekelhafter. Viel mehr.

Aber das was hier passiert ist nicht normal.

Es ist jetzt 23.18 Uhr. Donnerstagabend. Ich sitz hier, weil ich diesen Blogpost schreiben muss.

Wie schaffen es Menschen, den Ruf meiner Heimat zu zerstören. Aber was heißt zerstören? Eigentlich wird doch nur der schlechte Ruf, den diese Stadt seit Februar hat, verstärkt. Bautzen ist eine grässliche, schlimme Stadt. Das Echo der Medien ist eindeutig.

Meine Heimat ist in internationalen Medien vertreten. Und das in so einem schlechten Licht. Ich finde es extrem traurig.

Ich werde mich zu den Vorfällen nicht weiter äußern. Mein Blog soll keine Spielfläche für politische Parolen werden.

Das Theaterstück jedoch kann ich empfehlen. Die Überraschung im Klassenzimmer. Niemand kann dem Thema entfliehen. Jeder hört zu.

Angst vor Veränderung schürt Wut. Die Veränderung hier bei uns ist unausweichlich. Doch Gewalt ist und bleibt keine Lösung.

1 Kommentar:

  1. Ich musste, als ich die Nachrichten gehört habe, sofort an dich denken. Genau wie du es geschrieben hast: Gewalt ist KEINE Lösung! Nie!

    Toller Post!

    Liebe Grüße und ein schönes Wochenende
    Nadine von tantedine.de

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