24 November 2016

Book | David Safier - Traumprinz

Es gibt kaum Autoren, von denen ich wirklich jedes, also JEDES Buch gelesen habe. Aber bei David Safier kann ich es ohne zu zögern sagen. Und genau deshalb war es für mich selbstverständlich, auch 'Traumprinz' zu lesen. So viel sei verraten: Ein Traumbuch macht den fehlenden Traumprinzen auch wett.


'Traumprinz' von David Safier erschien am 27. Oktober 2016 im Rowohlt Kindler Verlag. Auf 308 Seiten wird Nellie, die Protagonistin, vorgestellt. Den Roman kannst du für 19.95 Euro als Hardcover oder für 16.99 Euro als eBook hier kaufen. Neben Nellie sind auch Lenny, Benedix und der Traumprinz Hauptcharaktere des Einzelbandes.


Inhalt (ohne Spoiler):
Nellie ist Ende 20 und eine unglückliche, unerfolgreiche und frisch verlassene Comiczeichnerin mit Wohnsitz Berlin. Frisch nach der Trennung und angetrieben von ihrem Freund Lenny, welcher sie mit zu einer Ausstellung nahm, hört sie Künstler Moore zu genau zu. Ein jeder sollte sich seine Welt bauen und etwas schaffen, was ihm am Herzen liegt. Mutig genug versucht Nellie ein Gespräch mit ihrem neuen unwissenden Mentor zu führen, klaut ihm dabei aber noch ein kleines Büchlein, was ihm eben geschenkt wurde. Nach überstandener Flucht und einem Herzschlag welcher sich normalisiert, fängt Nellie an zu zeichnen. Und zwar ihren Traumprinzen, denn diese Mission lag ihr wohl wirklich am Herzen.
Ungläubig wird sie dann, als ihr 'Retro' plötzlich real neben ihr steht. Wenig zufällig war jedoch, dass Retro ihrem frischen Ex Benedix wie aus dem Gesicht geschnitten aussieht. Nach den ersten Missverständnissen, weshalb sich Benedix so einen Scherz erlaubt, versteht sie. Vor ihr steht nicht Benedix und nun möchte Nellie dem Geheimnis des Buches auf die Spur kommen. Eine Jagd durch Berlin, von Nellie und Moore beginnt.
Das Buch hat eine Macht, welche nur zu schnell missbraucht werden könnte.
Nebenbei muss Nellie erkennen, dass Liebe da hinfällt, wo sie es am wenigsten erwartete. Doch kann sie eine ausgedachte, fiktive, magische Person lieben? Liebt sie nicht doch eher Benedix. Ihn kann sie schließlich auch haben. Muss sie sich mit der zweiten Wahl begnügen, weil das Streben nach Happy Ends mit Ende 20 wenig Sinn mehr macht?

Aufbau:
Typisch für Safier ist auch dieser Roman in Kapitel von sehr kurzer Länge gegliedert. Dies hindert aber keinesfalls an einem super Lesefluss. Ab und an lenkten jedoch die vielen, vielen wunderschönen Illustrationen ein wenig ab. Blätterte ich um, musste ich mir zuerst die Bildchen anschauen, wobei diese immer sehr, sehr passend im Text platziert wurden. Durch die hohe Anzahl an Illustrationen gab es kaum volle Textseiten. Von den vorliegenden 308 Seiten insgesamt, sind schätzungsweise nur 270 Seiten abzüglich der Bilder reiner Text.
Dieses Buch, beziehungsweise die letzte Seite, animiert sogar zum Mitmachen. Die eigene Kreativität kann herausgelassen werden, was dem Buch meiner Meinung nach einen schönen, versöhnlichen Abschluss bietet.


Sprache/Stil/Schlüssigkeit der Handlung:
Dieser Roman wird aus Nellies Sicht erzählt. Dabei gibt es zwischendurch kleine Vorausblicke in die Zukunft. Geschieht allerdings nur sehr selten, sodass der Leser zu 95% im selben Moment wie die Protagonistin steckt. Der Schreibstil ist sehr humorvoll, witzig, einfallsreich und zeitgemäß, dass es ein wahrer Pageturner ist. Das Schmunzeln fand auf jeder gelesenen Seite mindestens einmal mein Gesicht. Ich fand keine Längen im Buch und die Aktualität wird durch Gesellschaftskritiken deutlich. So werden Themen wie Pegida, die Flüchtlingskrise oder auch der IS angesprochen. In einem weniger strengen Umfeld als in Realität, aber dennoch deutlich platziert. Ebenso typisch ist auch das Platzieren von Werbung in Safiers Werken. Beispiele hier wären unter anderem die Nennung von 'The Walking Dead' oder 'Dunkin' Donuts'.
Das Thema der Wiedergeburt, wie in 'Mieses Karma' oder 'Mieses Karma hoch 2', zwei weiteren Romanen von Safier, wird ebenso kurz angeschnitten. Kenner seiner Werke werden grinsen müssen. Nicht-Kenner verstehen diese Anspielung wohl nicht, aber tut dem Verständnis der Geschichte keinen Abbruch.
Da es sich um einen Einzelband handelt, ist die Geschichte kurz und in sich auch abgeschlossen. Die Fantasie des Lesers kann jedoch trotzdem ein wenig zum Ausdruck kommen, indem sich vorgestellt wird, wie es mit Nellie weitergeht.
Oder aber die Leser fühlen sich so animiert und nutzen das Angebot eines Mitmach-Buches auf der letzten Seite. Denn 'in uns allen liegt die Kraft, Welten zu erschaffen'. (Seite 258)


Design:
Der Einband und Umschlag aller David Safier-Werke ist sehr einheitlich aber dennoch aussagekräftig und unterschiedlich genug um den jeweiligen Inhalt darzubieten. Ein gelb-orangener Hintergrund und darauf eine Comiczeichnung. Bei diesem Werk noch passender als bisher, da die Protagonistin doch Comiczeichnerin ist. Auch die Schriftart ist identisch zu all seinen bisherigen Werken. Die Rückseite besticht ebenso durch Schlichtheit. Lediglich die Inhaltsangabe und eine kleine Illustration sind abgedruckt. Der Buchrücken gliedert sich perfekt und ohne Ausnahme in die Reihe der Safier-Romane ein. Lila Autorenname, weinroter Titel.
Das Hardcover an sich ist dunkelblau. Und schimmert. Unfassbar schön. Der Autorenname und Titel ist da in hellblau in den Buchrücken gestanzt. Ein kleines Lesebändchen in blau rundet dies dann ab.
Das Buchinnere hat mich erneut fasziniert. Unglaublich viele und schöne Illustrationen - von Oliver Kurth - erschaffen ein Leseerlebnis außer Konkurrenz.

Buchempfehlung?
Ja! Wer humor- und fantasievolle Gesellschaftskritik - verpackt in einem amüsanten Abentuer - mag, wird mit diesem Roman sehr glücklich. Und wer die anderen Bücher von David Safier schon kennt und gut findet, der muss sich dieses Mal absolut keine Gedanken machen, dass ihm 'Traumprinz' vielleicht nicht gefallen könnte. Dieser Roman wurde von mir an einem Nachmittag ausgelesen, was nicht daran lag, dass viele Illustrationen kaum Platz für Text ließen. Und wer noch keinen Traumprinzen bei sich auf der Couch hat, kann sich immerhin ein Traumbuch neben sich legen.


Vielen Dank an den Rowohlt Verlag für dieses Rezensionsexemplar.

T.

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