05 Januar 2017

Book | Melanie Raabe - Die Wahrheit

 
Was ist Liebe? Lieben wir den Menschen, oder einfach nur das Gefühl welches er uns gibt? Wenn wir den Menschen lieben, wie können wir uns denn dann entlieben? Liebe kann wachsen, eingehen, stärker werden aber auch sterben. Oder?

Der neueste Thriller von Melanie Raabe heißt 'Die Wahrheit' und erschien am 29. August 2016 im btb-Verlag. Auf 441 Seiten lernst du Sarah und 'den Fremden' kennen. Diesen Thriller kannst du für 16 Euro im stationären Handel oder auch online hier kaufen.

Inhalt (mit Spoiler):
Sarah, seit sieben Jahren alleinerziehende Lehrerin. Ihr Mann Philipp verschwand auf Geschäftsreise spurlos. Endlich fasst sie den Entschluss neu anzufangen, bis plötzlich der Anruf kommt, dass ihr Mann lebt. Schon wenige Tage später steht Sarah mit dem gemeinsamen Sohn Leo am Flughafen und wartet auf Philipp. Doch da steht plötzlich ein Fremder neben ihr. Nicht ihr Philipp und auch nicht der Vater ihres Sohnes. Als wäre dies nicht schlimm genug, muss sich sich mit dem Fremden ihr Haus teilen. Leo wurde bei ihrer Freundin Miriam untergebracht. Doch niemand glaubt Sarah wenn sie schwört, dass der Fremde nicht Philipp ist. Ein Psychospielchen beginnt und die Verzweiflung der Mutter führt zu unüberlegten Taten. Während der Fremde seine Strategien oft ändert um Sarah dazu zu bringen die Wahrheit zu sagen, weiß nicht einmal der Leser, was 'die Wahrheit' denn sein soll. Der Fremde hat Philipps Leben auswendig gelernt und stimmt gar einem Gen-Test zu (welcher nie gemacht wird). Nur ein besonderes Muttermal möchte er Sarah nie zeigen. Eindeutig für sie, dass vor ihr nicht Philipp steht. Als der Fremde irgendwann zugibt Vincent zu heißen, scheint die Sache klar. Tatsächlich hat ein Fremder Philipps Identität angenommen um Sarah zu schaden.
Nach und nach jedoch treibt er Sarah weiter in den Wahnsinn und ihre Visionen von blutverschmierten Händen werden häufiger. Erst die Frage 'Was ist das Schlimmste was du je getan hast' bringt ihre Visionen in Einklang. Der Unfall in jener Nacht, von welcher auch Philipp in seinen Kapiteln erzählte. Sarah war eine Mörderin. In einer unübersichtlichen Nacht verletzt Sarah den Fremden an der Brust. Und dann sieht sie Philipps Muttermal. Es fällt ihr wie Schuppen von den Augen und der Fremde gibt endlich zu, wirklich Philipp zu sein. Wie kann ihr Philipp so fremd sein?! All die Psychospielchen trieb er mit ihr, da er befürchtete, dass Sarah hinter der Entführung steckte. Weil sie sich vor seinem Verschwinden bereits emotional voneiannder entfernten. Gemeinsam klärt Philipp mit Sarah auf, dass sie keine Mörderin war, denn der Überfahrene war schon tot als sie unabsichtlich über ihn fuhr. Von dem Unfall konnte nur Philipp wissen. Kurz nachdem Philipp die Wahrheit erzählte verschwand er aber wieder. Sarah brauchte ein wenig Zeit um alles zu verarbeiten, bis sie ihn an ihrem Platz an der Elbe wiedertraf.


Aufbau:
Der Thriller wird aus Sarahs Perspektive erzählt. Zumindest hauptsächlich. Immer wieder gibt es kurze Kapitel in denen der Fremde spricht. Diese sind dann auch mit 'Der Fremde' betitelt. Außerdem gibt es zwei Kapitel mit einer Jahresangabe, in welchen Philipp erzählt. Diese Kapitel sind sogar in einer anderen Schriftart geschrieben. All die Kapitel aus Sarahs Sicht sind mit fortlaufender Bezifferung betitelt. Zu Beginn waren ihre Kapitel sehr kurz. Einfach, um einen Einblick in das aktuelle Leben der alleinerziehenden Lehrerin zu geben. Mit der Zeit wurden die Kapitel, so wie ihr Leben, komplexer. Die Kapitel des Fremden sind sehr wichtig für den Leser, um dem Geheimnis des Thrillers auf die Spur zu kommen und 'Philipp' besser kennenzulernen. Aber ebenso, um Verwirrung zu stiften. Das geschieht beispielsweise rund um Seite 330 sehr gut, sodass ich den Eindruck hatte, überhaupt nicht mehr zu wissen was das Böse und was das Gute im Buch ist.
Der Epilog gibt dem Leser sogar Spielraum für seine Fantasie, wie es nun mit Sarah und ihrem noch immer fremden Philipp weitergeht. Dennoch wird der Kreis wieder geschlossen, indem Sätze vom Beginn des Romanes wieder aufgegriffen werden. Ein rundes Ende. Auch wenn ich es mir wesentlich spannender und spektakulärer gewünscht hätte. Es gab bei mir nie diesen 'aaah'-Moment, indem sich plötzlich alles klärt. Es war eher eine schleichende Aufklärung.


Sprache/Stil/Schlüssigkeit der Handlung:
Schon nach den ersten Sätzen war mir der Schreibstil der Autorin klar. Kurze, knappe Sätze. Sie wirken eher gehetzt und labil, so wie sich Sarah wohl fühlte. Die innere Unruhe dauert den ganzen Thriller über an, doch mit der Zeit gibt es einen Umschwung hin zu sehr langen, verschachtelten Sätzen. Das zeigt einerseits einen sehr detailreichen Schreibstil und andererseits auch die Zerrissenheit der Protagonistin. Oftmals baut die Autorin eine Art Hypothesen in die langen Sätze mit ein. Nach dem Motto 'ich schaffe es, ach nein, ich schaff es doch nicht'. Heißt, das Wunschdenken von Sarah wird mit gezeigt und nicht nur das was tatsächlich passierte. Wenn die Handlung sehr spannend wurde, flog ich förmlich über den Text. Die Sprache war also sehr einfach verständlich und gut zu lesen.
So wie der Anfang im Ende noch einmal aufgegriffen wurde, gab es auch noch andere Stellen im Thriller, wo Textpassagen bewusst wiederholt wurden. Die Allgegenwärtigkeit der Sätze wurde so gezeigt.
Wie schon erwähnt habe ich mir aber ein spektakuläreres Ende gewünscht.
Dennoch war die Handlung in sich schlüssig und auch so, dass der Leser die ganze Zeit mit grübeln konnte, was hier vor sich geht.


Design:
Das Coves des Buches gefällt mri sehr gut. Komplett in Graustufen gehalten. Lediglich der Name der Autorin ist in auffallendem rot geschrieben. Und ich meine, Autoren dürfen ihren Namen gern hervorheben, letztlich haben sie ja ein tolles Werk erschaffen. Eine abgeschnittene Haarsträhne, welche abgebildet ist, ist nicht einfach so gewählt, sondern hat einen Bezug auf den Inhalt des Thrillers. Anfangs lässt diese Abbildung dennoch jeglichen Spielraum für Vermutungen offen. Zusätzlich zum Titel, dem Autorinnennamen und dem Genre sind zwei kurze Sätze abgebildet. Diese beschreiben den Inhalt des Buches komplett, denn mehr ist an Informationen im Vorhinein kaum notwendig. Haptisch bietet das Cover kleine Unebenheiten - überall da wo schrift ist. Denn diese ist leicht hervorgehoben und glänzend gestaltet.
Der Buchrücken ist im gleichen Farbdesign gestaltet. So auch die Buchrückseite. Die Inhaltsangabe ist sehr kurz gehalten, doch mehr ist wie gesagt auch gar nicht nötig.
Das Buchinnere ist sehr klar gehalten. Lediglich die erste und allerletzte Seite ist in rot gefärbt. Die Klappentexte beherbergen einerseits Autorinneninfromationen und andererseits eine ausführlichere Inhaltsangabe. Ebenso sind Textausschnitte aus dem vorliegenden Roman abgedruckt oder gar Leserstimmen.


Buchempfehlung?
Mir als Thriller-Einsteiger wurde dieses Buch empfohlen. Kann ich definitv verstehen, wobei ich mir unter dem Begriff 'Thriller' doch irgendwie etwas Härteres vorgestellt hatte. Heißt, zum Einstieg eignet er sich ganz gut, je nachdem was der Leser für Thriller-Erwartungen hat.
Diese Buchempfehlung geht also an alle, die einen leichten Thriller suchen.
Für mich war dieses Buch etwas Besonderes, da es mein erster Thriller war, indem 'ich' das Opfer war. Bisher stand ich immer auf der Seite der Kommissare, die eine ekelhafte Tat aufklären mussten.

Vielen Dank an RandomHouse für dieses kostenlose Rezensionsexemplar.



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